Jede/r kann etwas gegen Hass im Netz tun
Lukas Schwienbacher, Koordinator der Fachstelle Gewaltprävention im Forum Prävention, rät diskriminierenden Aussagen mit Fakten, Haltung und Sachlichkeit entgegenzutreten.
Lukas Schwienbacher, Koordinator der Fachstelle Gewaltprävention im Forum Prävention.
Der digitale Raum bietet Möglichkeiten, die in analogen Lebenswelten oft als begrenzt erscheinen. Auch wenn es um Weltanschauungen und Meinungsbildung gibt: Schnell ist ein Kommentar getippt, der in der persönlichen Begegnung vermutlich nicht so schnell über die Lippen kommen würde. Das Land Südtirol sensibilisiert darum mit der Kampagne „Digital ist real“ für einen bewussteren Umgang. Der Slogan „Dein Kommentar. Dein Gesicht.“ soll verdeutlichen, dass (Hass-)Botschaften immer ein Gesicht haben – und auf ein Gesicht oder ein Gegenüber treffen.
Die Gründe für negative Kommentare und Beleidigungen sind vielfältig: „Einige Menschen fühlen sich durch die Anonymität ermutigt, sich im digitalen Raum anders zu äußern als im persönlichen Kontakt. Andere wiederum wollen ihre Weltanschauung durchsetzen, auch wenn ihnen bewusst ist, dass sie gewalttätig sind, Hass verwenden und andere Menschen herabwürdigen“, sagt Lukas Schwienbacher, Koordinator der Fachstelle Gewaltprävention im Forum Prävention. Hass habe viele Formen, und habe immer Folgen, egal ob Hass in der persönlichen Begegnung oder digital geäußert werden: „Hassbotschaften verstärken Vorurteile und Feindbilder. Gruppen werden gegeneinander ausgespielt und das kann zu Spaltungen in der Gesellschaft führen“, führt Schwienbacher aus und ergänzt, dass Hass im Netz die freie Meinungsäußerung einschränken, den sachlichen Austausch erschweren und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien untergraben kann: „Menschen ziehen sich aus der Diskussion zurück, weil sie Angst vor Beleidigungen, Bedrohungen oder Angriffen haben. Dadurch werden bestimmte Stimmen und Perspektiven weniger sichtbar.“
Doch gerade, wenn man Hassbotschaften liest, sei das Handeln ausschlaggebend. Lukas Schwienbacher rät Vertrauenspersonen, Freunde, Familien oder auch Fachstellen zu kontaktieren und die Erfahrungen zu teilen. „Unterstützung kann entlasten und neue Handlungsmöglichkeiten öffnen“, sagt der Bildungs- und Erziehungswissenschaftler. Das Internet ist nämlich kein rechtsfreier Raum, ein Handeln ist auch hier möglich – und nötig. Dies kann von der Meldung bei der Plattform, auch bei Nachrichtenportalen, reichen, bis zum Blockieren jener Person, die Hass verbreiten oder belästigen, über die Prüfung der Datenschutzeinstellungen oder dem Aufsuchen einer Beratungsstelle und dem Anzeigen der Bedrohung, Verleumdung oder strafbaren Inhalte bei der Polizei. Wichtig sei: Jede und jeder kann dazu beitragen dem Hass im Netz entgegenzuwirken. „Wir können durch unser eigenes Verhalten zu einer konstruktiven Diskussionskultur beitragen, unter anderem indem wir bei unterschiedlichen Meinungen sachlich und wertschätzend bleiben, beleidigende oder hetzerische Inhalte nicht liken oder teilen. Wichtig ist es auch Solidarität zu zeigen, indem ermutigende Kommentare geschrieben oder auch auf privatem Wege Unterstützung angeboten wird“, unterstreicht Lukas Schwienbacher. Auch gelte es problematische Inhalte bei den Plattformen oder Nachrichtenportalen zu melden und Quellen kritisch zu hinterfragen, um Falschinformationen nicht ungeprüft weiterzugeben. „Wir allen können etwas tun, um diskriminierenden und beleidigenden Aussagen mit Fakten, Haltung und Respekt entgegenzutreten“, ist Lukas Schwienbacher überzeugt.
Informationen, Möglichkeiten gegen Hasskommentare vorzugehen und die Kontakte zu den Anlauf- und Beratungsstellen für Betroffene gibt es online unter www.digitalistreal.it. „Digital ist real“ ist eine Kampagne des Landes Südtirol und des Landesbeirates für das Kommunikationswesen, in Zusammenarbeit mit über 30 Partnerorganisationen.