Warum Hass im Netz so gut funktioniert
Katharina Crepaz, Politikwissenschaftlerin an der Eurac, erklärt, warum emotionale Inhalte auf Social Media besonders gut funktionieren und was jede und jeder dagegen tun kann.
Katharina Crepaz, Politikwissenschaftlerin an der Eurac.
Soziale Medien sind zentrale Orte für Austausch und Meinungsbildung geworden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Diskussionen dort oft emotionaler und rauer geführt werden als früher.
Für Katharina Crepaz, Politikwissenschaftlerin an der Eurac, liegt das auch an der Logik der Plattformen: Inhalte, die starke Gefühle auslösen, werden häufiger geklickt, kommentiert und geteilt. Besonders Wut funktioniert gut. „Wer sich aufregt, reagiert schneller und genau das bringt Reichweite“, so Crepaz.
Diese Dynamik beeinflusst auch politische Inhalte. Beiträge werden oft zugespitzt und vereinfacht, damit sie Aufmerksamkeit erzeugen. Komplexe Themen haben es schwer, weil sie Zeit und Differenzierung brauchen, beides passt nur bedingt zu kurzen Formaten wie Reels oder TikTok-Videos.
Hinzu kommt, dass soziale Medien direkte Kommunikation ermöglichen. Politikerinnen und Politiker können ohne Zwischenschritte mit ihrem Publikum sprechen. Das schafft zwar Nähe, aber auch eine gewisse Unkontrolliertheit: Inhalte werden oft ohne Einordnung oder Faktencheck verbreitet. Gleichzeitig reagieren Nutzerinnen und Nutzer spontan, häufig ebenfalls emotional.
Ein weiterer Faktor ist die Funktionsweise von Algorithmen. Sie zeigen bevorzugt Inhalte an, die zur eigenen Meinung passen oder starke Reaktionen auslösen. Dadurch entstehen Filterblasen, in denen ähnliche Sichtweisen ständig bestätigt werden. Andere Perspektiven werden seltener sichtbar.
Warum bestimmte Gruppen besonders häufig Ziel von Hass werden, erklärt Crepaz mit einem einfachen Mechanismus: „Alles, was als anders wahrgenommen wird, lässt sich leichter angreifen.“ In der Forschung spricht man von „Othering“ – also der Abgrenzung von vermeintlich Fremden. Solche Themen brauchen wenig Sachargumente, funktionieren aber emotional sehr stark.
Trotz der oft aggressiven Kommentare sei es wichtig, die Verhältnisse richtig einzuordnen. „Viele lesen nur mit und beteiligen sich gar nicht“, sagt Crepaz. Diese stille Mehrheit prägt den Diskurs weniger sichtbar, ist aber dennoch vorhanden.
Was also tun? Ein erster Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist. Beleidigende oder bedrohliche Inhalte können gemeldet und gegebenenfalls angezeigt werden.
Gleichzeitig zählt der eigene Umgang. Wer sich beteiligt, sollte auf Fakten, Sachlichkeit und Respekt achten. Ebenso wichtig ist es, problematische Inhalte nicht weiterzuverbreiten. „Jede Interaktion verstärkt Sichtbarkeit“, betont Crepaz.
Auch beim Konsum kann man ansetzen: den eigenen Feed bewusst gestalten, nicht gezielt empörende Inhalte anklicken und sich aktiv unterschiedliche Quellen ansehen. Das hilft, einseitige Perspektiven zu vermeiden.
Am Ende geht es um viele kleine Entscheidungen im Alltag. „Wir alle tragen dazu bei, wie Diskussionen im Netz verlaufen“, sagt Crepaz. Eine sachliche und respektvolle Haltung kann dazu beitragen, dass der Ton im digitalen Raum wieder konstruktiver wird.
Weitere Informationen zum Umgang mit Hass im Netz sowie Hinweise zu Unterstützungs- und Beratungsangeboten für Betroffene gibt es online unter www.digitalistreal.it. Die Kampagne „Digital ist real“ des Landes Südtirol wird gemeinsam mit dem Landesbeirat für das Kommunikationswesen und zahlreichen Partnerorganisationen umgesetzt und sensibilisiert für einen respektvollen Umgang im digitalen Raum.